Technologiekonzern München – Wenn Suchmaschinen ihr Bürokonzept finden

Büros der Zukunft konzipieren und bauen Brückner Architekten schon heute. Thinktanks, freie Platzwahl, automatische Lichtsteuerung – Büroräume werden flexibler und smarter.

Entscheidend dabei ist eine starke Gestaltung, die wiederum ein starkes Konzept benötigt. Das von Brückner Innenarchitekten entwickelte Konzept für einen weltweit bekannten Technologiekonzern in München sprüht vor Kreativität. Ziel war es, den Mitarbeitern die Stadt und die Region näher zu bringen, in der sie künftig arbeiten. Aber nicht nur das: Sie sollten auch in die Geheimnisse über München und Bayern eingeweiht werden, die sonst nirgends zu finden sind – nicht einmal in der wohl berühmtesten Suchmaschine.

München – die IT-Hauptstadt Europas

Für jedes Stockwerk des Headquarters wurde ein wichtiger Bereich unserer Heimat thematisiert, der bis ins kleinste Detail liebevoll und mit viel Raffinesse umgesetzt wurde. Haben Sie gewusst, dass München an vierter Stelle der führenden Standorte der IT-Branche weltweit liegt und als IT-Hauptstadt Europas gilt? In Anlehnung an das Silicon Valley, den weltweit bedeutendsten Standort im IT-Bereich, wird München inoffiziell schon Isar Valley genannt – und diese Bezeichnung gibt dem sechsten Stockwerk unseres Projektes seinen Namen.

Blick auf die “Hackerbridge” im 6. Obergeschoss © Johannes Seyerlein

Hackathons auf der Hackerbridge

Der erste Blick auf die Etage mag etwas verwundern, egal wohin man auch schaut, es befinden sich überall bunte Linien. Durch den hohen Stellenwert Münchens als IT Hauptstadt finden hier regelmäßig sogenannte Hackathons statt: Begabte Programmierer treffen sich, um gemeinsam Software zu entwickeln. Wo Programmierer hacken, ist natürlich auch der Kabelsalat nicht weit. Und genau diese Tatsache wurde im 6. Obergeschoss des Technologiekonzerns als Gestaltungsmerkmal umgesetzt. Plötzlich erscheinen die bunten Linien nicht mehr willkürlich, sondern ergeben für den Betrachter Sinn. Sie symbolisieren genau jene Kabel, die bei einer Hackathon Veranstaltung auf dem Boden herum liegen. Beim Namen Isar Valley denkt man aber natürlich nicht nur an den Datenfluss, der bei der Suchmaschine, deren Namen nicht genannt werden darf, herrscht, sondern auch an den „richtigen“ Fluss, der sich durch München schlängelt. Die Isar fließt ja auch nicht gerade durch die Stadt, sondern sucht sich in Kurven ihren Weg.

Bergsilhouette zur besseren Orientierung © Johannes Seyerlein

Bergpanorama am Arbeitsplatz

Bei schönem Wetter und guter Sicht reicht der Blick von der 5. Etage bis hin zu den Alpen. Dieses unvergleichliche Panorama haben sich die Innenarchitekten zum Thema gemacht. Die reale Bergsilhouette des Alpenblicks wurde auf die Fassade übertragen. So kann man sich beim Arbeiten schon die Wanderungen für das nächste Wochenende aussuchen. Wen dieser Anblick aber noch nicht dazu animieren kann sofort einen Ausflug in die Bergwelt zu unternehmen, kann erst einmal die als Klettergarten angelegte Sitzecke erklimmen. In den Schubladen befinden sich lauter Geheimnisse, die typisch für Bayern und München sind und hier nicht verraten werden. Die Alpen haben die Innenarchitekten dazu inspiriert, das dreidimensionale Raumerlebnis eines Faltengebirges, das unsere Berge so einzigartig macht, nach München zu transportieren.    

Ein Faltengebirge als dreidimensionales Raumerlebnis © Johannes Seyerlein

Der Eisbach als Inspiration

Welche Verbindung haben Bretter, Neopren und eisiges Wasser mit München? Richtig, den Eisbach! Er ist der stärkste Bach im Englischen Garten und als Surfer-Hotspot Nummer 1 einer der Attraktionen in der Landeshauptstadt. Im Jahr 2016 fand am Münchner Flughafen die 6. Europameisterschaft im „Stationary Wave Riding“ statt, bei der sowohl bekannte Münchner Eisbach Größen als auch Mitglieder der US-Surf-Elite vertreten waren. Neben den Siegern aus dem Jahr 2015 Lukas Brunner, Karina Rankine und Quirin Rohleder, war auch Noah Beschen – Sohn der Surflegende Shane Beschen – aus Hawaii eigens zu diesem Wettkampf angereist. Nach der Veranstaltung sorgte die Surf-Weltelite für eine ganz besonderes Gestaltungselement, das im 2. Obergeschoss zum Einsatz kommt. Die Sportler ließen es sich nicht nehmen ihren Finnen, die nun an den Wänden als Gaderobe fungieren, ein ganz individuelles Design zu verpassen. Egal ob Jacke oder nassen Neoprenanzug – hier kann man alles aufhängen.

Eine Garderobe der besonderen Art © Johannes Seyerlein

Surfboards wohin man schaut

Auch für den Fall, dass man der Geräuschkulisse in einem Großraumbüro entgehen möchte, haben unsere Innenarchitekten eine Lösung gefunden. In der „Phone Booth“ können die Mitarbeiter sich zurückziehen und in Ruhe telefonieren oder – bei genauer Betrachtung des Tisches – im wahrsten Sinne des Wortes surfen. Wer seine Mittagspause etwas aktiver gestalten will, kann dies ohne weiteres tun, denn für die Mitarbeiter stehen Surfbretter zur freien Verfügung. Diese wurden zusammen mit dem renommierten Surfboard Hersteller Wuux designt. Und so kann jeder der Lust verspürt, selbst sein Geschick auf den Wellen zu beweisen, ein Brett schnappen und sich auf den Eisbach wagen. Natürlich sollte man immer Kleingeld für die öffentlichen Verkehrsmittel bei sich haben, aber im Notfall wird man in Bikini und Surfklamotten auch mal so zum Ausgangspunkt mitgenommen. 

Ein Rückzugsort zum Telefonieren und Surfen © Johannes Seyerlein

Münchner Lebensart pur im 2. Obergeschoss

Die Gestaltung der Wände erinnert an das Auf und Ab der Wellen und wenn man die Augen schließt, kann man das Plätschern des Wassers förmlich hören. Wirklich zu hören ist die Isar im Raum „Isarflimmern“, wo die Möglichkeit besteht sich auf wellenförmigen Sitzgelegenheiten vom Rauschen des Flusses in den Schlaf wiegen zu lassen und Kraft für neue Ideen zu tanken. Der Eisbach ist Teil des künstlich angelegten Bachsystems des Englischen Gartens, einer weiteren Touristenattraktion in München. Dieser erstreckt sich über eine Größe von 375 Hektar und ist damit sogar größer als der New Yorker Central Park. Neben den Gestaltungsmerkmalen des Eisbachs bestimmen Pflanzen das Bild im 2. Stockwerk und erinnern damit stark an die weitläufige Grünanlage, die Münchner Lebensart pur ist. 

Pflanzen sorgen für eine angenehme Atmosphäre © Johannes Seyerlein

Ein Ausflug in die Münchner Museen

Was haben sich unsere Innenarchitekten denn hier gedacht? Wände in die Formen und Worte geschnitten sind? Dass so etwas funktioniert, hat eine Ausstellung im Deutschen Museum bewiesen, das hier neben weiteren Münchner Museen Pate stand. Denn anlässlich der Sonderausstellung „Willkommen im Anthropozän“ wurde für die Exponate eine ganz besondere Form der Präsentation gewählt. Sie erhielten ihren Platz in Wänden aus Pappkarton, in die wiederum die Form der Ausstellungsstücke geschnitten war. Und das ist so speziell, dass es bei diesem außergewöhnlichen Projekt nicht fehlen darf. Und da man in Museen natürlich auch immer etwas lernt, befinden sich auf dem ganzen Stockwerk verteilt kleine Schilder mit Informationen über München und Bayern im Allgemeinen. Bei einigen Tatsachen handelt es sich um absolutes Insiderwissen, das man nicht mal in der vielleicht größten Suchmaschine findet. 

Insiderwissen in spezieller Weise präsentiert © Johannes Seyerlein

Vom Lenbachhaus bis zum Museum Brandhorst

In diesem Stockwerk kann man sich mit wenigen Schritten von einem Münchner Museum ins nächste bewegen. Der golden leuchtende Kubus, der das Lenbachhaus seit dem Jahr 2013 ergänzt, ist mittlerweile nicht mehr wegzudenken. Auch er findet seinen Platz im 1. Obergeschoss, wo neben goldenen Lamellen an den Wänden auch liebevoll darauf abgestimmte Details – wie zum Beispiel ein dazu passender goldener Stuhl – zu sehen sind. Nahezu jeder Münchner kennt ihn, den bunten Kunstbau in der Theresienstraße. Richtig, wir sprechen vom Museum Brandhorst, das ebenfalls bei einigen Gestaltungselementenals Vorbild gedient hat. Das Museum für moderne und zeitgenössische Kunst fällt vor allem durch seine bunte Fassade auf. Darin befinden sich Werke von Künstlern, die seit 1945 einen entscheidenden Einfluss auf die Kunst hatten, wie zum Beispiel Andy Warhol.

Goldene Lamellen harmonisieren mit dem dazu passenden Stuhl © Johannes Seyerlein

Nach einem eindrucksvollen Museumsbesuch muss man erst einmal alles auf sich wirken lassen und sich entspannen. Das gleiche gilt auch für die Arbeit, auch hier braucht man immer mal wieder eine kleine Auszeit. Diese kann man sich in den Hängesesseln gönnen. Um die Natur ins Büro zu holen, befinden sich überall Pflanzen in allen erdenklichen Formen, damit sich die Mitarbeiter wohl fühlen. Hier bieten sich ihnen vielfältige Möglichkeiten, um die Seele baumeln zu lassen und Kraft für neue Ideen zu tanken.

Einfach mal die Seele baumeln lassen und neue Energie tanken © Johannes Seyerlein

Projektdaten

Bürogebäude in München

Projektleiter: Susanne Brückner, Florian Wenisch

Größe: 3.000 m² BGF

Bauzeit : 2015 – 2017