Bayerischer Tennis-Verband – Eine neue Heimat für die Talentschmiede des deutschen Tennis

Leistungssportler aufbauen und ihnen ein Umfeld bieten, dass sie künftig noch besser mental und körperlich zu Hochleistungen befähigt, war Ziel und Anspruch der Erweiterung der TennisBase.

Im Ergebnis steht ein Campus, der den aktiven Tennissport und das administrative Vereinsleben an einem Ort zusammenführt und so nicht nur Sportlern, sondern auch Verbandsmitarbeitern und Freizeitnutzern gerecht wird.

Seit 1994 ist die TennisBase in Oberhaching bei München ein Ort, an dem Nachwuchstalente und Profisportler wie Tommy Haas, Philipp Kohlschreiber oder Maximilian Marterer mit dem Ziel trainiert und gefördert werden, sich an der Weltspitze des Tennissportes zu behaupten. Der Campus des Leistungszentrums bietet hierfür neben entsprechenden Outdoor- und Indoor-Sportanlagen eine umfassende Sportler-Betreuung mit Internatseinrichtung für etwa 20 Kinder und Jugendliche an. Darüber hinaus dient die Anlage als Trainerausbildungs-Standort des Bayerischen Tennis-Verbandes sowie als Herren-Stützpunkt des Deutschen Tennis Bundes. Trotz der Ausrichtung auf international erfolgreiche Leistungssportler, steht der Campus aber auch Amateurspielern zur Verfügung. Seit 2017 arbeitet der BTV gemeinsam mit Brückner Architekten an der Erweiterung der TennisBase.

Mehr Raum für Höchstleistung

Ziel der Campus-Erweiterung war der Ausbau der Sportstätten und der Aufbau einer neuen Verwaltungszentrale des Bayrischen Tennis-Verbands am Standort Oberhaching. Im Zuge dessen galt es alte und neue Baustrukturen sinnhaft miteinander zu verbinden, unterschiedliche Nutzungseinheiten alltagstauglich zu vernetzen und den Bedürfnissen von Sportlern, Verbandsverantwortlichen und Mitarbeitern gleichermaßen gerecht zu werden.

Die Umsetzung erfolgte in zwei Bauabschnitten: Bauabschnitt eins (Oktober 2018 bis Juli 2019) wurde auf der Westseite des Campus-Geländes umgesetzt und umfasst den Bau einer 2-Feld-Tennishalle, drei Außenplätzen, einer Kleinsporthalle mit Athletikbereich und darüber liegenden vier Wohnappartements samt Spieler-Lounge sowie die Erweiterung der Trainerbüros. Bauabschnitt zwei (September 2019 bis Juni 2020) liegt auf der Ostseite des Areals und bildet als zweigeschossiger Verwaltungsbau mit repräsentativem Foyer, integrierter Physio- und Orthopädiepraxis sowie ergänzendem Internatswohnraum das neue Entree der TennisBase.

Die fertig gestellte Tennishalle mit zwei Spielfeldern © Patrik Graf

Zeitgemäße Ergänzung

„Durch die Zusammenführung von Trainingszentrum und Geschäftsstelle ist die tägliche Zusammenarbeit wesentlich einfacher geworden: Dokumente müssen nicht mehr per Post hin- und hergeschickt werden, sondern werden persönlich überbracht“, Martin Liebhardt, DTB-Bundesstützpunktleiter und Leiter Talentförderung und Leistungssport im BTV. Die neu entstandenen Sportstätten wie auch der Verwaltungsbau wurden mittels Fertigbau-Elementen aus Stahlbeton errichtet. Formell orientieren sich beide Neubauten am regional-traditionellen Baustil. Eine stark rhythmisierte Fassadeneinteilung und eine zurückhaltende Farbgebung in Grau- und Weißtönen verhilft dabei zu einem zeitgemäßen und zugleich zeitlosen Erscheinungsbild. Ein einheitliches Wegeleitsystem in den CI-Farben des Verbandes fasst alte und neue Strukturen visuell zusammen.

Während die neuen Sportstätten den Bauplatz ergänzend zum Bestand optimal ausnutzen und in ihrem strukturellen Aufbau und Nutzungsprofil eigens auf die Bedürfnisse der Sportler zugeschnitten sind, dient der Verwaltungsbau auf der entgegengesetzten Areal-Seite als neuer Ankerpunkt der TennisBase. Gemeinsam mit dem ehemaligen Hauptgebäude, das über Internats-Appartements und Trainerbüros verfügt, bildet der Neubau einen L-förmigen Komplex aus, der die Sportstätten von der Geländezufahrt abschirmt. Der als Windfang ausgeführte Übergang von Bestand zu Neubau fungiert als neuer Hauptzugang.

Der Tennisball im Windkanal © Patrik Graf

Identität stiften

„Uns war es bei der Gestaltung wichtig, dass die Grundtugenden des Tennissports, das Branding und die Geschichte des BTV und viele kleine Details sich überall in den Innenräumen stilprägend wiederfinden“, Laurent Brückner, Geschäftsführer Brückner Architekten GmbH. Gemäß den Vorstellungen des Bauherrn legten Brückner Architekten in der Innenraumgestaltung großen Wert auf eine kompakte Nutzungsorganisation und einen wertig-repräsentativen Look, der die Corporate Identity des Verbandes mit seinen CI-Farben Blau und Grün trendbewusst und identitätsstiftend in den gebauten Raum überträgt.

Empfangen und bewirtet werden Besucher und Areal-Nutzer im Foyer an einem Tresen, dessen parametrisch entworfene Holzlamellen-Verkleidung von der Luftverwirbelung eines im Windkanal geschlagenen Tennisballs inspiriert ist. Der Rücktresen ist dagegen ganz in Blau gestaltet und bildet so einen beruhigten Hintergrund, der durch unterschiedliche Oberflächen-Glanzgrade mehrdimensional wirkt. Sichtbetonwände und flügelgeglätteter Estrich geben dem Empfangsbereich insgesamt einen puristisch-klaren Rahmen, der von schwarzen Tischgruppen, einer in Blautönen gehaltenen Sofalandschaft und maßgeschneiderten Elementen wie einem Wand installierten Zeitschriften-Ständer bespielt wird. Ein echter Blickfang ist außerdem eine aus über 600 Tennisbällen bestehende Deckeninstallation, die in einer dynamischen Geste zum Bürotrakt verweist. Weitere, stets aktuelle Bezüge zum Tennissport und den Partnerunternehmen der TennisBase gelingen über eine Monitorwand mit Imagefilmen und Turnier-Liveübertragungen.

Blick auf die parametrisch konstruierte Empfangstheke und die Deckeninstallation mit Tennisbällen © Patrik Graf

Der Tennisball im Windkanal

„Das neue BTV-Clubhaus, wie manche die Verbandszentrale nennen, bietet den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern moderne Arbeitsplätze und viel Raum für Kreativität und gelebte Kommunikation“, Helmut Schmidbauer, Präsident des Bayerischen Tennis-Verbandes e.V..

Der an das Foyer angrenzende Bürotrakt setzt den CI-bezogenen Gestaltungsansatz fort: Ein nach dem „Smart Working“ Prinzip ausgewogener Mix aus abgetrennten Büroräumen, Open Spaces und Besprechungszonen sorgt für eine flexible Arbeitsorganisation und eine unmittelbare Kommunikations-Kultur. Als Ankerpunkte der Begegnung und Kommunikation dienen raumhohe Nischen für Garderobe samt Postfächern, Pantry-Küche und Kopierstation, auf deren Rückseiten sich dem Großraum zugewandt zwei Besprechungsinseln und ein Konferenzraum befinden. Um eine klare Abgrenzung zur übrigen Bürolandschaft zu erreichen, ist jeder dieser Einheiten eine Farbe zugewiesen. Grafische Elemente und verschiedene Materialwechsel schaffen Bezüge zum Tennis-Court. In Verlängerung zum Bürobereich führt ein Windfang in einem separaten, sich formell vom Verwaltungsbau lösenden Seminar-Pavillon mit Dachterrasse, dessen eigener Zugang die Raumnutzung unabhängig vom Vereinsalltag möglich macht.

Besprechungsecke Green Court © Patrik Graf

Förderung von Gemeinschaft und Regeneration

„Mentale Stärke wird durch eine wohldurchdachte, sensible Innenarchitektur positiv bestärkt“, Brückner Architekten GmbH. Das Obergeschoss ist in drei große, an das Treppenhaus grenzende Nutzungszonen unterteilt: Unmittelbar am Bestandsbau, in direkter Verbindung zu den Wohnappartements, liegen die neuen Sozialräume der Internatssportler. Umfasst werden diese von den Büroräumen der Tennis Deutschland Service GmbH (Betreiber des Tennisportals „mybigpoint“) und einer Physio- sowie einer Orthopädiepraxis. Der gestalterische Fokus liegt hier klar auf den Internatsräumen, die der Förderung der Freizeitgestaltung und des sozialen Lebens der Jugendlichen gewidmet sind.

„Im eng getakteten Alltag der Spitzen-Jugendlichen zwischen Training, Wettkampf und Schule sind kurze Wege essentiell. Mit der Erweiterung des Internatsbereichs um einen Aufenthalts- und Essbereich bewegen sich die Kids mit wenig Zeitverlust zwischen Training, Schlafen, Essen und Körperpflege und haben damit optimale Bedingungen zur Gestaltung des Alltags außerhalb des Trainingsplatzes“, Peter Mayer, Geschäftsführer des Bayerischen Tennis-Verbandes e.V.. Ein großzügiger Wohnbereich stellt verschiedenartige Sitzgruppen von Lounge Möbeln über eine klassische Bank-Garnitur bis hin zu einer individuell eingepassten Tribünen-Sitzlandschaft zur Verfügung. Add-ons wie ein Kicker und ein Fernseher mit Schwenkarm lassen Sportübertragungen und Entertainment mit einziehen. Die dazugehörige Gemeinschaftsküche folgt wie auch der Wohnbereich dem vom Bauherren gewünschten Farb- und Materialschema: Sichtbeton, helles Eichenholz, Blau- und Gelbtöne sowie das Leitthema Tennis-Court sind im Internatsbereich dabei im Vergleich zur Erdgeschoss-Gestaltung verspielt und farbstark ausformuliert.

Eine individuell eingepasste Tribünen-Sitzlandschaft steht für die Internatsschüler zur Verfügung © Patrik Graf

Projektdaten

Ausbau der TennisBase Oberhaching

Projektleiter: Julian Karl, Linda Korres, Rosi Waris

Größe: 4.000 m² BGF

Bauzeit : 2018 – 2020